Alexander Dugins Sicht auf das Genfer Treffen Bidens und Putins

Nach Alexander Dugin, russischem Philosophen, Politologen und Autoren, stellt sich das kürzliche Treffen des US-Präsidenten Joe Biden mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin in Genf als „kognitive Dissonanz“ dar. Dort wären zwei Regierungschefs zusammengekommen, die an aneinander vorbeireden würden bzw. sich gar nichts wirklich zu sagen hätten, weil sie in zwei Parallelwelten lebten. Biden, der Globalist, der die USA auf die ganze Welt ausdehnen will und Putin, der Anti-Globalist, der für die multipolare Welt mit getrennten Interessensphären eintrete. Diese Auffassung Dugins entspringt seiner eigenen Philosophie, die er in seinem vielbeachteten wie umstrittenen Buch „Die vierte politische Theorie“ entwickelt hat. Er folgt dabei unter anderem Carl Schmitts Vorstellungen von der politischen Raumordnung der Welt. Dugin weist den USA die Rolle einer Seemacht zu, deren Interessen vor allem die Küsten seien, während Rußland als Landmacht kontinentale Interessen habe. In Europa gehöre auch England zu den Seemächten; Frankreich und Deutschland aber zu den Kontinentalmächten. Dementsprechend müssten die USA (und in ihrem Schlepptau auch GB) von der europäischen Interessensphäre ausgeschlossen werden. Rußland sieht Dugin als territorialen und kulturellen Anker Eurasiens, zum dem im Wesentlichen West- und Osteuropa zu zählen seien, zu dem erweitert aber auch der Iran und Indien gezählt werden könnten. Einer Achse Paris-Berlin-Moskau erkennt Dugin für die Zukunft Europas eine besondere Rolle zu.

In Rußland sieht Dugin zudem das „Dritte Rom“, das nach dem Ende des Kommunismus und Faschismus sowie dem Versagen des westlichen Liberalismus eine im Sinne der traditionellen und konservativen christlich-abendländischen Kultur bewahrende und beschützende Rolle zukommt.

Die multipolare Welt schließt nach Dugin den Interventionismus aus. Raumfremde Mächte hätten sich aus Europa und Eurasien herauszuhalten. Dies gelte aber auch in umgekehrter Richtung. Dugin vertritt auch die Position der multiethnischen Welt, in der die Völker das Recht auf Bewahrung ihrer Identitäten hätten und vor unkontrollierter Zuwanderung geschützt werden müssten.

Wie weit der Einfluss Dugins auf die Politik des Kreml reicht, ist umstritten. Einige Beobachter bezeichnen ihn als wichtigen Berater Putins, welcher die zentralen Positionen Dugins rezipiert habe, andere wiederum bestreiten dies. Dugin selber gibt vor, Putin nie persönlich begegnet zu sein und auch kein kritikloser Anhänger des russischen Präsidenten zu sein. Wiederum andere Beobachter meinen allerdings, die Politik Putins sei ohne den Einfluss Dugins nicht zu erklären.

Dugin betreibt in Rußland den „Thinktank“ geopolitica.ru, ein Internetblog auf dem er und weitere Persönlichkeiten die Politik v.a. Rußlands aus der Sicht der Philosophie Dugins (auch in deutscher Sprache) kommentieren.

Lesen Sie hier Dugins Kommentar zum o.a. Treffen Bidens und Putins in Genf.

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