Buchbesprechung: „Die Stimmen der Opfer“ von Konrad Löw und Felix Dirsch

„Die Stimmen der Opfer“ von Konrad Löw/Felix Dirsch

Zitatelexikon jüdischer Zeitzeugen zum Thema: Die Deutschen und Hitlers Judenpolitik

Konrad Löw, gemeinsam mit Felix Dirsch, hat mit diesem Lexikon von rund 250 jüdischen und einigen nichtjüdischen Zeitzeugen mit ihren wesentlichen Zitaten seine Bücher für ein gerechtes Bild des Verhaltens der Deutschen während der NS-Judenverfolgung hilfreich ergänzt.

Auch wer die vorigen Bücher von Konrad Löw kennt, erhält mit diesem Buch ein vollständigeres Bild des Geschehens. Man ist freudig erstaunt zu lesen, daß ein ganzes Dorf zum Schutz einer jüdischen Familie jahrelang dicht gehalten hat, oder wenn zwei Damen mit Judenstern, der gerade obligatorisch geworden war, einem Herrn, der vor ihnen seinen Hut gezogen hatte, lächelnd sagten: „Wir sind also doch nicht ganz allein. Das merken wir immer wieder bei jedem Spaziergang.“

Doch es erschüttern immer wieder die gemeinen Schikanen, welchen das gesamte Leben der Verfolgten unterworfen war, das Herausreißen aus dem Beruf zu einer niederen Zwangsarbeit, willkürliche Inhaftierungen, das Ausgeliefertsein gegenüber uniformierten Zerstörern, Brandstiftern, Plünderern, Schlägern und Mördern.

Die damaligen Deutschen werden daher meist beschuldigt, mehrheitlich gleichgültig zugesehen oder sogar mitgemacht zu haben. Aber stimmt das auch?

Niemand kann diese Frage glaubwürdiger beantworten als die Opfer, die in diesem Buch selbst zu Wort kommen: Frauen und Männer, Junge und Alte, liberale und orthodoxe Juden aus allen Teilen Deutschlands, aus Dörfern und aus Millionenstädten berichten über ihre Erfahrungen mit ganz normalen Deutschen, mit Unpolitischen und politisch Engagierten, mit regimetreuen und dezidierten Gegnern des NS-Regimes.

Die Aussagen dieser Zeitzeugen, darunter so bekannte Persönlichkeiten wie Hans Rosenthal, Albert Einstein und Gerhard Löwenthal, machen in erster Linie den Verfolgten selbst Ehre. Sie hätten ja allen Anlass gehabt, ihre nichtjüdischen Nachbarn in Bausch und Bogen zu verdammen. Sie haben es nicht getan, sondern ein facettenreiches Bild der nichtjüdischen Deutschen der Jahre 1933 bis 1945 gezeichnet. Soweit es Judenfeindlichkeit gab, zeigen sich dabei die Unterschiede in der Verbreitung und Intensität nach Lebensalter, sozialer Schicht, Region und Konfession.

Sonnenklar wird aus den Aussagen der Betroffenen, dass eine überwältigende Mehrheit der Deutschen bis hin zu hohen Amtsträgern die nationalsozialistische Judenverfolgung abgelehnt hat. Die Ablehnung zeigte sich in stillen Bekundungen des Mitleids, deutlichem Zuspruch und Bekundung von Scham, praktischer Unterstützung, z.B. durch Fleischer, Bäcker etc. bis hin zu persönlich sehr riskantem Organisieren des Untertauchens Einzelner und ganzer Familien.

Ein neues, aufwühlendes Buch, das unsere Vorfahren entlastet, Forschungslücken schließt und überzeugend so manche gängige, aber tatsachenwidrige Manipulation des Geschichtsbildes widerlegt.

Manfred Backerra

Buchdaten:

Verlag Inspiration Un Limited (London / Berlin) und Resch-Verlag.

Konrad Löw / Felix Dirsch: Die Stimmen der Opfer

Zitatelexikon jüdischer Zeitzeugen zum Thema: Die Deutschen und Hitlers Judenpolitik

ISBN 978-3-945127-30-8, 392 Seiten, 15,90 Euro

Zu bestellen unter: info@verlag-inspiration.de

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