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In diesen Tagen

hat die die SWG ihr 50 Jähriges Bestehen gefeiert. Der Unterzeichnet hat in der Feierstunde das Folgende gesagt. 

Nicht dem Deutschen geziemt es zu schwanken
von
M. Aden
Vorsitzender der Staats- und wirtschaftspolitischen Gesellschaft e.V., Hamburg

1. Mai

 Das Jahr ist noch nicht halb. Wir haben Mai. Wir schauen zurück und voraus und bemerken: Der Mai ist ein geschichtsträchtiger Monat. Am letzten Tage des Mai 1740 starb der Soldatenkönig, und Friedrich der Große trat seine Regierung an, die Deutschland und Europa umgestalten sollte. Am 5. Mai 1789 kamen die vom französischen König Ludwig XVI berufenen Reichsstände in Versailles zusammen, und die Revolution nahm ihren Lauf. Im Mai 1812, also genau vor 200 Jahren, brach Napoleon gegen Russland auf. Am 10. Mai 1940 begann nach langem Zögern und vergeblichen Versuchen, den von England und Frankreich erklärten Krieg still beizulegen, der deutsche Angriff gegen Frankreich, welcher 6 Wochen später, am 22. Juni, mit der Niederlage Frankreichs und dem Frieden von kompletten geendet. Und fünf Jahre später, im Mai 1945, lag Deutschland selbst darnieder. 

In diesen Maitagen des Jahres 2012 sind einige wichtige politische Entscheidungen in Europa gefallen. Die lassen uns vorausblicken: Wo stehen wir? Wohin führt das?

2. Sparpolitik

Der internationale Druck auf Deutschland, von der „Sparpolitik“ abzugehen, wächst Wer die Zahlen betrachtet, kann über den Vorwurf der übertriebenen Sparpolitik in Deutschland nur den Kopf schütteln. Der Druck wächst gleichwohl. Noch am Abend des Wahltages sagte der neu gewählte französische Präsident ( Le Monde v. 8. Mai S. 3) :

    Europa schaut auf uns. In dem Augenblick, in welchem das Wahlergebnis verkündet wurde, ging, dessen bin ich sicher, durch viele europäische Länder ein Gefühl der Erleichterung und der Hoffnung, nämlich der Gedanke, dass die Sparpolitik kein schicksalhaftes Verhängnis Schicksal sein muss, – que l `austérité ne pouvait plus etre une fatalité....C`est que je dirai ... d`abord à L`Allemagne au nom de l`amitié que nous lie.... und das werde ich zuerst Deutschland klarmachen, und zwar Namen der Freundschaft, die uns verbindet. 

Zieht Frankreich an dem nördlichen Ende des mit wirtschaftlichen Problemen bereits straff gespannten Seiles, so zieht Griechenland mit immer wütenderen Kraftakten an dessen südlichem Ende. Wenn das Seil zerreißt, wie man nun doch allmählich befürchten muss, pflegen beide Mannschaften hinzufallen, und die Beistehenden werden von den ausschlagenden Seilenden auch verletzt.

3.  Deutschland am Gartenzaun

In Südeuropa, etwa in Spanien, explodiert die Arbeitslosigkeit und Großbritannien, noch vor 100 Jahren die imponierendste und größte Weltmacht der Geschichte, scheint zu implodieren. Die Wirtschaft fällt dort förmlich in sich zusammen, und Schottland droht mit der völligen Sezession. Der Raum aber, welchen seit dem Mittelalter bis zur Napoleonzeit das Erste Deutscher Reich als ( mit den Worten Rousseaus) friedfertiger und kriegsscheuer Koloß umfasste, von der Drau im Süden bis zur Königsau im Norden, der Raum, den man politisch neutral Mitteleuropa nennt, scheint von all dem wenig berührt. In seiner Mitte liegt, anscheinend unbetroffen, Deutschland. Aus zahlreichen Niederlagen über Jena ( 1806) und Versailles (1919) , über Stalingrad und Potsdam, von schweren Zurücksetzungen und vom Rande der physischen Vernichtung haben wir uns immer wieder erholt. Zwei Kriege gegen die ganze Welt verlieren und nun Mercedes fahren - so fragte mich ein Student in Alma Ata/ Kasachstan: Wie macht ihr das?

Und in der jetzigen Finanz- und Wirtschaftskrise stehen wir ( noch !) da wie der Bürger am Gartenzaun in Goethes Faust (Osterspaziergang):

    man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
    und sieht den Fluss hinab die bunten Schiffe gleiten,
    dann kehrt man abends froh nach Haus,
    und segnet Fried und Friedenszeiten.

    Herr Nachbar, ja! So lass auch ich's geschehen.
    Sie mögen sich die Köpfe spalten,
    mag alles durcheinandergehen,
    doch nur zuhause bleibt beim alten

4.  Deutsche Tugenden ?

Das britische Magazin Economist stellte in seiner Ausgabe v. 12. April 2012 ( wieder mal) die aus britischer Sicht irritierende Frage: Wie kann es sein, dass Deutschland in der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise, so blendend dasteht? Wie kommt es, dass Deutschland Zuwachsraten in fast allen Feldern aufweist, in denen die meisten anderen europäischen Länder zurückfallen?

Die Antwort, welche dieses Magazin sich und der Welt, die ähnliche Fragen stellt, gibt, ist einfach: Die Deutschen waren eigentlich schon immer anders, irgendwie komisch! Die Deutschen haben, so der Economist, gewisse alt eingeübte Verhaltensweisen. Diese könne man nur erstaunt zur Kenntnis nehmen, sie ließen sich nicht kopieren – sie seien eben typisch deutsch. Von Wirtschaft hätten die Deutschen auch ja überhaupt keine Ahnung. Sonst würden sie bei ihrer höchsten Bonitätsstufe und den daraus folgenden historisch niedrigen Zinsen, fast den niedrigsten aller Volkswirtschaften der Erde, jetzt richtig Geld aufnehmen und ausgeben und mal so richtig konsumieren. Aus den USA ruft uns das Paul Krugman zu, und vom IWF, Frau Lagarde , hört man dasselbe. Aber die Deutschen kapieren es einfach nicht. Stur oder auch beschränkt sagen selbst höchst erfolgreiche Unternehmer (ein Unternehmer aus Ostwestfalen Lippe wird namentlich zitiert) einfach nur: Ich bin gegen Schulden !

5.  Schwankend in schwankender Zeit

Man muss nicht immer auf das Ausland hören. Wir Deutschen tun es eigentlich viel zu viel. Wir sind übereifrig, andere Modelle zu kopieren, vgl. Bologna-Modell. Gelegentlich sollten wir aber doch einmal auf unsere Nachbarn hören, insbesondere auf unsere Vettern von den Britischen Inseln, die uns seit jeher mit dem besonderen Eifer des Verwandtenneides beäugen. Wir Deutschen haben bestimmte Werte und Wertvorstellungen (immer noch!). Nicht nur den Mercedesstern. Man sieht belustigt oder spöttisch, wie wir Deutschen sind – altmodisch, langweilig, humorlos, und im Karneval überlustig. Aber, bei Licht besehen, stehen wir doch seit Johannes Gutenberg, also einem halben Jahrtausend, immer mit an der Spitze des Fortschrittes. Wir selbst haben das fast vergessen. Wie die Dinge bei uns laufen, empfinden wir als selbst verständlich, so macht man das halt! Es ist gar keine Frage, dass Züge pünktlich sein müssen, dass die Gerichte zügig und sorgfältig arbeiten (das tun sie wirklich meistens!). Hat man längere Zeit im Ausland gelebt, merkt man erst, was alles in einem Staat nicht funktionieren kann!

Manches bei uns ist schon etwas lächerlich. Stichwort Mülltrennung! Unsere hysterischen Reaktionen, wenn etwas schief läuft. Wenn der Berliner Flughafen nicht pünktlich eröffnet wird, ist das doch keine nationale Katastrophe! Wir übertreiben gerne und nerven unsere Nachbarn mit Überreaktionen. Ein Schuss Rotwein täte uns schon manchmal gut.

Wir müssen nicht so bleiben, wie wir sind. Aber lasst uns das Eigene, das Deutsche, erkennen, pflegen und weiter entwickeln. Das, was wir haben, was wir können, schulden wir auch der Welt. Wenn wir etwas für richtig erkannt haben, dann besteht kein Grund, es wegzuwerfen, nur weil andere es anders machen. Das gilt besonders, wenn so Vieles unsicher wird. Gerade dann, wenn die Grundlagen schwanken und alles um uns herum unsicher wird, wenn der Chor der Ratgeber sich in Dissonanzen verliert – dann sollten wir fest bleiben. Wir wissen, wie wir es erworben haben, so sollten wir auch wissen, wie wir es behalten. Um noch einmal Goethe zu zitieren: (Herrmann und Dorothea, Urania, V. 300 ff)

    Halten wir fest und pflegen der schönen Güter Besitztum.
    Denn der Mensch, der zur schwankenden Zeit auch schwankend gesinnt ist,
    Der vermehret das Übel und breitet es weiter und weiter;
    Aber wer fest auf dem Sinne beharrt, der bildet die Welt sich.
    Nicht dem Deutschen geziemt es, die fürchterliche Bewegung
    Fortzuleiten und auch zu wanken hierhin und dorthin.
    Dies ist unser! so laß uns sagen und so es behaupten!
    Denn es werden noch stets die entschlossenen Völker gepriesen,... 

Zusammenfassung

Was Goethe dem Herrmann als Worte an seine Braut in den Mund legt, gilt auch für uns. Nicht nur in der Finanzkrise. Lassen wir uns nicht von der leichtsinnigen Geldschöpferei und Schuldenmacherei fortreißen. Darauf liegt kein Segen. Das gilt in noch viel stärkerem Maße in Bezug auf die Erhaltung unserer traditionellen Werte wie Fleiß, Pünktlichkeit und Treue. Halten wir das. Darauf liegt Segen. Man kann uns im Ausland ruhig etwas steif und komisch finden. Das gibt sich, wenn die nächste Rechnung fällig wird und wieder mal alle heischend nach Deutschland schauen.

11.5.12

Die Festschrift zu diesem Jubiläum wurde in diesen Tagen versendet. Bitte überlegen Sie, ob Sie unsere Arbeit mit einen Spende unterstützen wollen.

      SWG
      Postbank Hamburg 200100 020
      Konto Nr. 339 614 200

      Spendenquittung wird erteilt.

Prof. Dr. Menno Aden
Vorsitzender der SWG e.V
Dresaden@aol.com

 

Willkommen bei der
Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft e.V.

Was wir wollen: Die SWG wirbt für Werte der bürgerlichen Gesellschaft. Wer das tut, wird leicht verunglimpft. Wir regen an, bei Wikipedia unter dem Stichwort SWG diese Verunglimpfung nachzuschauen. Was wir dazu zu sagen haben, entnehmen Sie der Verknüpfung
Hugo Wellems und die SWG      Entnazifizierungsbescheid von Hugo Wellems  Wäre die SWG links, nähme niemand Anstoß.

Was meinen wir mit bürgerlichen Werten? Zuerst fragen wir unsere Anfeinder: Was meint ihr denn mit euren Begriffen wie liberal, sozial oder mittig, sozial-liberal usw.? Zumeist ist ein Wortgeklingel die Antwort. Wir Bürgerlichen, oder auch Konservativen, wollen Antworten auf der Grundlage eines festen Standortes zu geben. Diesen suchen wir auf folgenden vier Säulen.

Erstens: Bürgerlich/Konservativ = Meinungs(verbreitungs)freiheit eines jeden auch gegen die Mehrheit. Wir wissen, dass Menschen die letzte Wahrheit nicht haben können. Fortschritt geschieht daher durch immer neue Entwürfe und Pläne, und zwar aller Menschen. Scheinbar unsinnige Gedanken haben sich oft als wohltätig herausgestellt. Wir fordern daher Freiheit, insbesondere Gedankenfreiheit, auch gegen die Mehrheit.

Zweitens: Konservativ = Rechtstaatlichkeit. Der Mensch ist im Guten und Bösen zu allem fähig. Mehrheiten schwanken, Massen sind verführbar. Bürger mit einer jeweils nicht mehrheitsfähigen oder den Mächtigen unbehaglichen Meinung sind auch bei uns oft gefährdet. Wir treten daher für den Rechtsstaat ein, in welchem Minderheiten vor Mehrheiten oder Mächtigen wirksam geschützt werden.

Drittens: Konservativ = Staatstreue. Der konservative Bürger weiß, dass Freiheit und Recht nur im Staat gesichert werden können. Patriotismus, für den wir werben, soll diese Seite des Staates stärken.

Staaten sind aber oft grausam, feige, sogar verbrecherisch. Konservative wollen vor dieser Seite des Staates warnen.

Viertens: Konservativ = Verantwortung für Mensch und Schöpfung. Wir Bürgerlichen bekämpfen sozialistische Weltverbesserei. Wir glauben aber auch nicht dass sich alles von selbst, etwa aus dem „Marktkräften“, ergeben wird. Man kann Zukunft nicht mit Ideologien und Algorithmen prognostizieren, man muss sie erkunden. Daher schaut der Konservative zurück, um aus Erfahrungen unserer Vorgänger zu lernen. Für falsch hält die SWG die Gleichung: Konservativ = christlich oder religiös. Wir glauben aber, dass wir (Staatsbürger, Völker und Staaten) vor Gott zur Rechenschaft gezogen werden.

Hieraus ergeben sich die folgenden Themenschwerpunkte unserer Arbeit :

 Politische Willensbildung und Fremdbestimmung

  • Deutscher Belange in Europa und der Welt
  • Rechtsstaatlichkeit und Rechtsschutz
  • Deutsche Geschichte
  • Deutsche Kultur in der Welt
  • Werte – und Wertewandel

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SWG e.V.
Der Vorsitzende 

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